Mein Vater saß die meiste Zeit im Wohnzimmer – stumm – und das für sehr lange Zeit. Vor zwei Tagen war ich mit ihm das letzte mal im Krankenhaus gewesen um meine Mutter zu sehen. Es war September, 1976, als meine Mutter an Krebs starb. Von meinem Vater habe ich es erst Jahre später erfahren. Ich habe es damals nur durch Zufall gehört, und als ich ihn darauf ansprach, schaute er mich aus müden und verweinten Augen an – und blieb stumm. Bis heute fällt es ihm sehr schwer über sie zu sprechen.

In den ersten Monaten arbeitete er nur noch in der Nachtschicht. Er konnte nicht schlafen konnte. Sie waren das Traumpaar meiner Familie und nun war er allein. Wieder einmal und sein Traum von einer Familie, einem Leben in Freiheit und ohne Zwänge gestorben. Er hatte den wichtigsten Menschen in seinem Leben verloren und musste dennoch weiterleben. Meine Verwandten machten es ihm dabei nicht leicht, denn ständig bekam er zu hören, dass er es allein nicht schaffen würde, drei Kinder groß zu ziehen.
Andererseits kümmerten sie sich kaum um uns. Er war auf sich alleingestellt, bei der Erziehung, Verantwortung und beim Kochen. Gerade beim Kochen entwickelte meine Vater einen fast unheimlichen Ehrgeiz. Vor allem bei Milchreis. So wurden wir jahrelang Versuchsobjekte und damit meine ich nicht zwei bis drei. Ein Jahrzehnt dauerte es, bis alles perfekt war Als er dann nach hunderten Versuchen die Schüssel aus dem Kühlschrank nahm und mit dem Löffel hineinstach, begannen sich seine Gesichtszüge zu entspannen. Als er dann noch probierte blickte er zufrieden auf – geschafft.