Dieses Kammerspiel zwischen meinem Vater setzt sich auch in den Bildern fort, die in Giengen entstehen werden. Sie orientieren sich dabei an den Verhältnissen, die in der schwäbischen Kleinstadt herrschen – geometrisch abgesteckte und begrenzte Parzellen mit immergleichen Ein- und Zweifamilienhäusern, kollektives Autowaschen am Samstag – und der Situation, in der mein Vater lebt. Denn während von oben betrachtet alle Häuser im Viertel meines Vaters gleich aussehen, zeigt sich in kleinen Details, worin er sich von seinen deutschen Nachbarn unterscheidet und ihnen doch gleich ist. So ist alles, was man bei ihm im und am Haus sieht, überdimensioniert für eine Person – der Grill im Garten, die Sitzgarnitur oder die Anzahl an Tassen und Teller in der Küche. Auch werden zwei der vier Zimmer nur selten genutzt.




Ein weiterer Aspekt ist die Bedeutung Giengens für meinen Vater. Hier hat seine Flucht vor der Unterdrückung durch die türkische Gesellschaft und die Suche nach einer neuen Heimat ein Ende gefunden. Und Giengen wird auch der letzte Ort sein, an dem er leben wird, auch wenn mittlerweile viele seiner Freunde in ihre Heimat gezogen oder verstorben sind und er nun allein ist.Diese Eigenheiten meines Vaters sowie Gemeinsamkeiten und Gegensätze mit Schwaben greift die Ästhetik der Kamera auf, die charakterisiert ist durch eine statische Führung, sowie immer wiederkehrende Einstellungen und Abläufe, die den schwäbischen und dabei armenischen Alltag meines Vaters in Giengen zeigen. Denn gleichzeitig soll durch die Ausarbeitung und Betonung von Details das Ungewöhnliche, weil Eigene meines Vaters, im Gewohnten dargestellt werden.