Bohnen, Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini… Er baut so viel an, dass er den ganzen Sommer über kein Gemüse mehr kaufen muss. Eigentlich ist der Garten viel zu groß für ihn, seitdem niemand mehr aus unserer Verwandtschaft in Giengen lebt. Doch er ist Rentner und die Arbeit im Garten sein Lebensinhalt.

Er hat noch seine Nachbarn, mit denen er seit mehr als 30 Jahren Haus an Haus zusammenlebt. Mit ihnen diskutiert er Samstags auf der Straße über die politische Weltlage während sie ihre Autos waschen. Manchmal sitzen sie im Sommer hinter seiner Garage mit der Biertischgarnitur, trinken Kaffee und rauchen. Doch oft fühlt er sich einsam und fühlt sich alleingelassen.
Dabei hat er es mit seinem Schweigen selbst verschuldet. Mein Vater will auch nicht mit mir oder anderen darüber reden, dass er einsam ist. Lieber schweigt er, dann existiert das Problem für ihn nicht. Andererseits gibt er mir jedes Mal ein großes Essenspaket mit, das viel zu groß für mich alleine ist. Und wenn er richtig gute Laune hat, dann macht er zwei Tupperschüsseln voll mit unserem Lieblingsessen: Sulu Köfte, eine dicke Suppe mit Hackfleischklößen und Kartoffeln. Trotz seiner Einsamkeit will er aus Giengen trotz allem nicht wegziehen. Nur einmal, Mitte der 90er Jahre hat er darüber nachgedacht sein Haus zu verkaufen und nach Paris zu ziehen. Doch er ist dageblieben: “Was soll ich da, dort kenne ich niemanden. Außerdem ist es dort viel zu schmuddelig, nicht so sauber wie bei uns in Giengen.”